Im Internet kursierende fertige Vertragsmuster wirken auf dem Papier professionell, sind aber tatsächlich für keine der beiden Parteien geschrieben. Sie spiegeln nicht die tatsächlichen Bedingungen des konkreten Geschäfts wider, sondern einen durchschnittlichen Regelfall.
- Parteispezifische Risiken bleiben unsichtbar: Muster berücksichtigen nicht die spezifischen Risiken eines bestimmten Geschäfts (Zahlungsverzug, Lieferprobleme, geistiges Eigentum, Geheimhaltungsbedarf usw.), weil unklar ist, zwischen welchen Parteien und für welches Geschäft das Muster verwendet wird.
- Unklar, nach welchem Recht der Text verfasst wurde: Oft ist nicht bekannt, nach dem Recht welches Landes und zu welchem Zeitpunkt ein Muster erstellt wurde. Eine Klausel, die nach einer anderen Rechtsordnung oder nach inzwischen nicht mehr geltendem Recht verfasst wurde, kann in Ihrem Geschäft unwirksam sein oder zu einem unvollständigen Ergebnis führen.
- Lücken wirken zulasten einer Partei: Ein im Muster nicht geregeltes Thema (z. B. höhere Gewalt, vorzeitige Kündigung, Verzugszinsen) wird im Streitfall den allgemeinen gesetzlichen Regelungen überlassen — was in der Regel zu einem Ergebnis führt, das eine Partei begünstigt und die andere benachteiligt, und dieses Ergebnis wurde zuvor nicht bedacht.
- Erzeugt ein falsches Sicherheitsgefühl: Ein unterschriebenes, offiziell wirkendes Dokument vermittelt das Gefühl „ich bin abgesichert". Tatsächlich zeigt sich das Problem aber erst, wenn ein Streit entsteht — also genau in dem kritischen Moment, in dem eine Korrektur nicht mehr möglich ist.
- Spiegelt nicht die geschäftliche Logik des konkreten Falls wider: Ein guter Vertrag regelt, was die Parteien tatsächlich austauschen (Ware, Dienstleistung, Information, Risiko), in welcher Reihenfolge und unter welchen Bedingungen die Leistung erbracht wird, und wer was tut, wenn etwas schiefgeht. Ein Mustertext kann diese Logik Ihres Geschäfts nie kennen.
- Die Annahme "günstig" ist irreführend: Die Verwendung eines Musters wirkt kostengünstig; die eigentlichen Kosten entstehen jedoch, wenn der Vertrag auf die Probe gestellt wird (bei ausbleibender Zahlung, bei Abbruch der Leistung, beim Ausscheiden einer Partei) — und sie übersteigen in der Regel den vermeintlich "eingesparten" Betrag um ein Vielfaches.
Ein Vertrag sollte die schriftliche Fassung der tatsächlichen Vereinbarung zwischen den unterzeichnenden Parteien sein — nicht ein für ein anderes Geschäft geschriebener Text, bei dem lediglich die Namen ausgetauscht wurden.
Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.
Für eine Einschätzung Ihres konkreten Falls kontaktieren Sie mich gern.